What about… New York School?

3 Jul

New York City wird seit Beginn der 1950er vielfach als intellektueller und künstlerischer Mittelpunkt der USA angesehen, gingen doch aus dieser Stadt Impulse hervor, die über den eigenen Kontinent hinaus nahezu weltweit zu spüren waren. Hierbei handelt es sich sowohl um die moderne Malerei als auch die Musik, die sich in dieser Zeit gegenseitig befruchteten.

Der Begriff »New York School« wurde erstmals 1950 von dem Maler Robert Motherwell gebraucht, der eine seiner Ausstellungen so betitelte. Irreführend ist er insofern, als dass es sich um keine »Schule« im klassischen Sinne handelt (wie etwa bei der Wiener Schule), es also beispielsweise keine genuine Lehrerfigur gibt. Stattdessen spricht man heute von einer »multiple individuality«, die sich durch Künstler und ihre individuellen Werke herausbildete.

Auf Seiten der bildenden Kunst handelt es sich um Künstler wie Philipp Guston, Willem de Kooning, Robert Motherwell, Jackson Pollock und Mark Rothko, die in den 1950ern Aufsehen erregten. Besondere Aufmerksamkeit erlangte die Bewegung durch die Ausstellung »The New American Painting« des Museum of Modern Art in New York, die 1958/59 auch in Europa zu sehen war. Spätestens jetzt war die amerikanische Malerei endgültig als wichtiger Bestandteil der modernen Kunst akzeptiert.

Spricht man im Bereich der Musik von der New York School, sind vor allem vier Komponisten gemeint: Earle Brown, John Cage, Morton Feldman und Christian Wolff. Auch hier ist der Terminus »Schule« nicht im klassischen Sinne zu verstehen, wenngleich die Wirkung der Komponisten nach außen die einer geschlossenen Gruppe war. Einheitsstiftend fungierte besonders die soziale Beziehung der Musiker mit den bildenden Künstlern und deren Ideen und Selbstverständnis. Konkret äußerte sich dies zum Beispiel durch das gemeinsame Wohnen oder das Arbeiten an Projekten – sowohl inhaltlich, also durch den Austausch von Ideen, als auch praktisch, d.h. durch gegenseitige organisatorische und finanzielle Unterstützung.

In ihren Arbeiten legten die New Yorker Komponisten besonderes Augenmerk auf die einzelnen Aspekte eines Kunstwerks: Form, Material, Raum, Zeit und den kreativen Prozess. Der Slogan »down with the masterpiece – up with art« verrät, dass der traditionelle und als überholt empfundene Werkbegriff, der stark auf Form basiert, aufgelöst werden sollte. Cage und Feldman suchten stattdessen »Losigkeit« (»lessness«). Form ergibt sich nunmehr aus der Frage, wie viel Material ein Stück aufnehmen kann (Feldman), oder wie der Zufall das klangliche Resultat eines Stückes beeinflusst (Cage, Wolff) oder wie eine spontane Aufführungssituation ein Werk zu gestalten vermag (Wolff, Brown, Cage).
Auch eine Abkehr von traditioneller zugunsten von graphischer Notation ist in diesem Kontext zu sehen und bietet zudem neue Möglichkeiten des Klangs, der – analog zur Farbe in der Malerei – im Zentrum der Komposition stand.

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